10
Mar

Statement von Prof. Dr. Volker Wahn, Leiter der Sektion Infektionsimmunologie innerhalb der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie der Charité Berlin:

„Eine große Zahl von Menschen ist auf Plasmaprodukte angewiesen. Dazu zählen Patienten mit angeborenen und chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Immundefekte oder Gerinnungsstörungen („Bluter“). Aber auch in der Notfallmedizin können Plasmaprodukte Leben retten, beispielsweise bei schweren Verletzungen, Verbrennungen oder akuten Schockzuständen. Blutplasma verfügt über Inhaltsstoffe, die nicht künstlich hergestellt werden können, und ist Grundstoff für viele lebensnotwendige Therapeutika.

So wird Plasma unter anderem zu Antikörpern weiterverarbeitet, sogenannten Immunglobulinen. Diese Eiweißstoffe tragen zur Abwehr von Krankheitserregern bei. Fehlen diese Antikörper dem Organismus, spricht man von einem Immundefekt – und der ist für die betroffenen Menschen lebensbedrohlich.

Vor allem angeborene Immundefekte sind relativ selten, weswegen sie auch oft zu spät diagnostiziert werden. Die richtige Diagnose wird nicht selten erst nach mehreren erfolglosen Therapieversuchen gestellt. Patienten mit angeborenem Immundefekt erkranken immer wieder an schweren Infektionen, wobei vor allem die Atemwege betroffen sind. Daraus können irreparable Schäden von Lungen und Bronchien resultieren.

Immunglobuline können den Antikörpermangel bei Menschen mit Immundefekten beheben. Seit 2002 stehen in Deutschland spezielle Immunglobulinpräparate zur Verfügung, die eine Heimtherapie ermöglichen: Patienten können sich die Immunglobulinlösung mit einer kleinen Infusionspumpe einmal pro Woche selbst unter die Haut (subkutan) spritzen. Bei anderen Patienten erfolgt die Therapie alle vier Wochen als Infusion über die Vene (intravenös) und ist meist mit einem mehrstündigen Krankenhausaufenthalt verbunden.”

Mit Freunden teilen:
Link als E-Mail versenden