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Jul

Ein normales Leben dank PlasmaspenderMax ist 20 und ein ganz normaler junger Mann. Denkt man auf jeden Fall und kann sich auch nichts anderes vorstellen. Dass das so ist, ist auch euch zu verdanken: Max hat einen angeborenen Immundefekt, und erst Plasmapräparate, hergestellt aus gespendeten Blutplasma, ermöglichen ihm das normale Leben, das er führt.

Doch von Anfang an – und lassen wir am besten Max selbst erzählen.

„Als ich sechs Monate alt wurde, fing alles an. Nachdem der sogenannte Nestschutz langsam zu Ende ging, begannen die ersten Infektionen, allen voran heftiger Durchfall, der ganze zweieinhalb Jahre anhielt! Dazu kamen häufige Fieberanfälle, Mittelohrentzündungen, häufiger schwerer Hautausschlag.

Nach einem vermeintlich leichten Sturz im Alter von drei Jahren brach ich mir den Mittelhandknochen. Das ist an sich ja bei kleinen Kindern nichts Dramatisches, es wächst ja alles wieder zusammen. Bei mir hat sich jedoch, obwohl es keine offene Wunde gab, eine schwere Entzündung im Bruch eingenistet, sodass ich notoperiert werden musste, um Antibiotika-Kapseln direkt an der Entzündung zu erhalten. Zusätzlich hatte ich innerhalb von sechs Monaten zwei schwere Lungenentzündungen.

Erst da ist ein Stations-Arzt, der sich für Immunologie interessierte, auf die Idee gekommen, mal meine Blutwerte etwas genauer zu betrachten. Die Blutprobe wurde per Expresskurier direkt ins Labor der Uniklinik München geschickt. Die Diagnose: Agammaglobulinämie.

Für meine Eltern war das zunächst ein riesiger Schock, da mir im Alter von nur drei Jahren eine Lebenserwartung von maximal 18 Jahren zugeschrieben wurde. Aber dass ich nicht schon seit zwei Jahren tot bin, verdanke ich dieser Diagnose und der Behandlung, die dadurch möglich wurde: Wir begannen mit der Immunglobulin-Therapie. Sie hat sofort angeschlagen und meine Mutter hat Freudentränen geweint, als ich nach zweieinhalb Jahren permanenten Durchfalls zum ersten Mal eine richtige ‚Wurst‘ in die Schüssel gesetzt habe 😉

Die Immunglobuline helfen mir, meinen Alltag so zu meistern, als wäre ich ein ganz normaler, gesunder junger Mann. Ich muss auf nichts verzichten, ich kann ganz normal Sport machen, auf Konzerte gehen, mich mit Freunden treffen – eben all die Dinge, die jeder in meinem Alter macht. Und all das ohne Angst davor haben zu müssen, mich dauernd irgendwo anzustecken.

Durch meine Geschichte und im Gespräch mit anderen Betroffenen habe ich gelernt: Wie es ist, normal zu sein, merkt man erst, wenn alltägliche Dinge nicht mehr möglich sind. Damit möglichst viele Menschen von der Krankheit des angeborenen Immundefekts erfahren, engagiere ich mich seit einigen Jahren bei der dsai, der Patientenorganisation für angeborene Immundefekte. Die setzt sich unter anderem für Aufklärung ein – bei Betroffenen und bei Ärzten. Denn immer noch ist meine Krankheit viel zu wenig bekannt. Meine Hoffnung ist, dass möglichst viele Betroffene so früh wie möglich an einen solchen Arzt geraten wie ich damals – damit sie diagnostiziert und richtig therapiert werden können. Und meine Hoffnung ist natürlich, dass so viele Menschen wie nur irgend möglich Plasma spenden – damit Menschen wie ich leben können.“

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